Google soll zensierte Suchmaschine für China planen

(geklaut bei Zeit online)

Laut Medienberichten will Google in den chinesischen Markt zurückkehren und dafür die Zensur bedienen. Eine staatliche Genehmigung gebe es noch nicht.

Der US-Internetkonzern Google plant Medienberichten zufolge eine zensierte Version seiner Suchmaschine, um wieder auf den weltgrößten Internetmarkt in China zu kommen. Das berichteten das US-Portal The Intercept und die New York Times unter Berufung auf Insider.

Geplant sei eine App mit dem Namen Dragonfly („Libelle“). Sie solle in China gesperrte Webseiten und Suchanfragen nach Menschenrechten, Demokratie, Religion oder friedlichen Protesten aussortieren, berichteten die beiden US-Medien. Damit entspreche die Suche den strikten Zensurvorschriften der kommunistischen Führung in Peking.

Google wollte die Berichte nicht bestätigen: „Zu Spekulationen äußern wir uns nicht“, sagte ein Sprecher. Die Zeitung China Securities Journal, die von der staatlichen Wertpapieraufsicht herausgeben wird, nannte Spekulationen über eine Rückkehr Googles nach China „nicht richtig“.

Dagegen berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf chinesischen Behördenkreisen, Google stehe in Kontakt mit der chinesischen Cyberspace-Behörde. Eine Genehmigung für das Projekt liege aber nicht vor. Die Gespräche liefen derzeit nicht gut, zitierte die New York Times einen Insider.
Google-Mitarbeiter kündigten laut Berichten wegen des Projekts

Ein Google-Mitarbeiter sagte Reuters, dass Google an dem Projekt aktiv arbeitet. Er habe entsprechende Präsentationen gesehen, viele hochrangige Manager hätten davon Kenntnis. Er selbst habe sich versetzen lassen, um sich nicht beteiligen zu müssen. Die New York Times berichtete von vier Mitarbeitern, die sich ebenfalls hätten versetzen lassen oder gekündigt hätten.

Das Projekt Dragonfly habe Google im Frühjahr 2017 begonnen. Im Dezember habe sich deshalb Konzernchef Sundar Pichai mit einem hohen chinesischen Funktionär getroffen, schreibt The Intercept unter Berufung auf unternehmensinterne Dokumente und mit dem Vorhaben Vertraute.

Die Suchmaschine für das mobile Betriebssystem Android sei bereits chinesischen Regierungsstellen vorgeführt worden. Innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate könnte Google die App für chinesische Nutzer herausbringen, sobald Peking die Genehmigung erteile, hieß es in The Intercept weiter.

Amnesty: „Schwerer Angriff auf die Informationsfreiheit“

Die Berichte lösten heftige Proteste aus. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem „schweren Angriff auf die Informationsfreiheit“. Amnesty-Forscher Patrick Poon sieht das Vorhaben als „ein Signal, dass sich niemand mehr die Mühe macht, die Zensur herauszufordern.“ Poon macht sich auch Sorgen um die Privatsphäre der Nutzer: „Wird Google auch einknicken und persönliche Daten herausrücken, sollten die chinesischen Behörden das verlangen?“

Sollte Dragonflyin China starten, wäre es eine Wende in Googles Umgang mit Zensur: Das Unternehmen hatte sich 2010 aus dem großen Markt China zurückgezogen, um nicht weiter zensieren zu müssen. Google war außerdem Opfer eines schweren Hackerangriffs geworden, dessen Ursprung in China vermutet worden war. Der chinesische Markt für die Internetsuche wird von dem Konzern Baidu beherrscht. Dessen Aktie hatte nach dem Intercept-Bericht am Mittwoch um 7,7 Prozent nachgegeben.

Chinas sogenannte Große Firewall sperrt nicht nur die Google-Dienste wie die Internetsuche, den E-Mail-Dienst Gmail und YouTube. Auch soziale Medien wie Facebook, Twitter und WhatsApp sind geblockt, ebenso Nachrichtenseiten der New York Times, des Wall Street Journals und politisch umstrittene oder chinakritische Websites.


0 Antworten auf „Google soll zensierte Suchmaschine für China planen“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


eins + = vier