Was ist eigentlich Google?

Google ist ein gigantischer Konzern im Bereich Internet und Technologie, der jährlich Milliarden an Gewinnen erwirtschaftet. Entgegen seiner Außendarstellung ist Google kein „guter“ Konzern. Wie anderen auch ist diesem Konzern nichts zu dreckig, wenn sich damit Profite erwirtschaften lassen. Massenhafte Überwachung und Datensammlung, Ausnutzung von Monopolstellungen, Zensur, Zusammenarbeit mit dem Militär – hierfür steht Google.

Google steht auch für hemmungslosen, ungezügelten Kapitalismus. So zahlt Google auf seine Milliardenprofite in Europa dank diverser Bilanztricks so gut wie keine Steuern – und ist darauf auch noch stolz.

Google ist mittlerweile eine Tochterfirma des „Alphabet“-Konzerns.

Alphabet machte 2016 fast 90 Milliarden US-Dollar Umsatz, wobei der allergrößte Teil hiervon auf Google entfällt. Der Gewinn von Google lag 2016 bei über 20 Milliarden US-Dollar. Mit einem Börsenwert von etwa 730 Milliarden US-Dollar ist Alphabet derzeit nach Apple das weltweit zweitteuerste Unternehmen.

Warum möchte Google in Kreuzberg einen sogenannten „Google Startup Campus“ errichten?

Durch den geplanten „Google Startup Campus“ will Google frühzeitig Informationen über möglicherweise profitable Ideen erhalten, profitversprechende Startups an Google binden und natürlich auch hier wieder Unmengen an Daten über die Nutzer*innen sammeln.

Schon jetzt versucht Google, seinen Einfluss in den an den geplanten „Campus“-Standort angrenzenden Bezirken auszubauen.

Unterdessen schwärmen Google-Mitarbeiter in die Nachbarschaft aus und besuchen kleine und mittlere Gewerbetreibende. Die jungen Herren wirken in ihren Anzügen wie Abgesandte einer christlichen Sekte, und die Kreuzberger Verhältnisse bringen sie zum Staunen. Verblüfft zeigten sie sich etwa von einem Bioladenkollektiv, das erklärte, keinen Chef zu haben. Die ­Google-Emissäre boten ihm Hilfe bei der Geschäfts- und Marketingoptimierung an. Kostenlos – aber gegen Überlassung aller Geschäftsdaten. Keine Frage, auch eine herkömmliche Unternehmensberatung benötigt diese Angaben. Aber nach Ausführung des Auftrags ist die Weitergabe an Dritte untersagt, und für den eigenen Betrieb wären solche Daten vermutlich eher nutzlos. Anders bei Google. Der weltumspannende Konzern erhebt auf solchen und anderen Wegen Informationen über eine einzelne Firma, von deren Nachbarn, der Straße, dem gesamten Kiez, und kann sie in Beziehung setzen zu den Milliarden Daten, die er ohnehin tagtäglich über die Nutzer der Google-Dienste im Internet sammelt.“ (JW)

Was ist eigentlich ein „Google Startup Campus“?

Der für Berlin geplante „Google Startup Campus“ wäre die weltweit siebte dieser Google-Einrichtungen. Alle „Google Startup Campus“ sind identisch strukturiert. Die Beschreibung, wie so ein Ding aufgebaut ist, haben wir hier geklaut.

Man kann sich einen »Google-Campus« als umgedrehten Trichter vorstellen. Anlaufpunkt ist das Café im Erdgeschoss. Man muss Mitglied werden, um hineinzukommen. Eine Aufnahmebestätigung kann man aber am Eingang erhalten, und die Mitgliedschaft ist in der Grundversion kostenlos. Im Google-Campus London sollen seit der Gründung 2012 über 70.000 Besucher beigetreten sein, wie James Cook, Technologieredakteur bei Business Insider UK, berichtet. Im Café gibt es eine sehr schnelle WLAN-Verbindung – angeblich die schnellste Londons – und recht teure Biogerichte.

Das Café ist der Mittelpunkt der Einrichtung… Laut Cook ist es für die Besucher fast ausgeschlossen, dort einen Tag zu verbringen, ohne jemandes Visitenkarte zu bekommen. Wer keine Kopfhörer trägt, wird angesprochen. Laptops sind ständig zur Seite gedreht, um zu zeigen, woran man arbeitet… Manch einer soll seinen aktuellen Job bei der Arbeit im Café gefunden haben.

In London betreibt die Firma Techhub die nächsten beiden Stockwerke als Coworking space. Wenn jemand sagt, er arbeite im Google-Campus, wird dies zumeist dort sein. Techhub ist ein Standardgroßraumbüro. Es besteht aus zwei Etagen mit nahezu identischen Layouts. Es gibt einen großen Schreibtisch- und einen »Hotdesking«-Bereich, in dem man spontan zusammenkommen kann.

Einen eigenen Schreibtisch bei Techhub zu mieten, bietet gegenüber dem Café zahlreiche Vorteile. Wer hier einzieht, kann zusätzliche Monitore aufstellen und seine Arbeitsmaterialien über Nacht liegenlassen. Der Mietpreis für Schreibtische bei Techhub ist höher als in den meisten Büros – zu hoch für viele Startups. Sobald ein Unternehmen vier oder fünf Mitarbeiter beschäftigt, zieht es aus dem Campus weg in eigene Räume. In der Regel sind die Mieter über Google per ultraschneller Datenleitung mit dem Internet verbunden und haben folglich eine IP-Adresse in Mountain View im kalifornischen Silicon Valley. Inwieweit Google so ihre Metadaten erheben kann, ist nicht bekannt.

Ganz oben, an der Spitze sozusagen, steht der sogenannte Seedcamp-Beschleuniger, eine Förderung für Startups, an denen Google besonderes Interesse hat. Alle Unternehmen, die von Google in dieses Programm aufgenommen wurden, können hier arbeiten. So stellt sich der Google Campus als hausgroße Auswahlmaschine dar. Unten kommen die Startup-Enthusiasten rein, und oben bleiben die für Google interessantesten Gründer übrig. Dazwischen dreht sich alles um Netzwerk und Finanzierung. Keine Spur von Wissenschaft, wie der Name suggeriert, es geht ums Geschäft. Aber Google will dabei – wie immer – auch noch gut aussehen. Die Firma wirbt für seine Campusse stets mit einem Programm für »Mompreneurs«, also Startup-Gründerinnen, die Mütter sind. Bei näherem Hinsehen handelt es sich hier aber nur um einen Basiskurs, dessen einzige Besonderheit ist, dass die Babys mitgebracht werden dürfen. Das zielt eher auf positive Außendarstellung für Google ab, denn ernsthafte Hilfe zu bieten. Deswegen scheint sich das Interesse an diesem Programm auch in Grenzen zu halten: In keinem der bislang sechs Google-Campusse steht es derzeit im Kalender.

Hat Google soziale oder gemeinnützige Ziele?

Nein. Das einzige, wofür sich Google interessiert, sind Umsatzsteigerung und hohe Profite. Das Google für soziale und gemeinnützige Projekte nichts übrig hat, zeigt beispielhaft der Umgang von Google mit Steuern. Ein Heer von Anwält*innen und Steuerberater*innen wird durch Google (wie durch andere Großkonzerne auch) beschäftigt, mit dem Ziel, die Steuern so weit wie möglich zu senken. 2009 etwa zahlte Google dank dieser Tricks auf Gewinne in Europa von 5,8 Milliarden Euro lediglich 174 Millionen Euro Steuern. Das entspricht einem Steuersatz von drei Prozent.

Ein kleiner Handwerksbetrieb, der diese Steuervermeidungs-Möglichkeiten nicht hat, zahlt derzeit etwa 30 Prozent Steuern auf seine Gewinne – das ist also etwa zehn mal so viel, wie der Milliarden-Konzern Google bezahlt.

Dieses unsoziale, unsolidarische Steuer-Verhalten ist für den kapitalistischen Großkonzern Google Prinzip. „Ich bin sehr stolz auf die Struktur, die wir geschaffen haben. Das nennt man Kapitalismus.“, sagte Google-Boss Schmidt 2012 über das Steuervermeidungs-Netzwerk des Großkonzern.

Nicht nur durch seine Steuertricks hat der Milliardenkonzern Google die Möglichkeit, hohe Mieten zu zahlen. Es ist (leider) nicht bekannt, was Google für die Flächen im Umspannwerk an Miete zahlen möchte. Für einen Konzern, der jedes Jahr Milliarden an Steuerzahlungen durch Tricks vermeidet, wäre aber auch eine Miete von 50, 80 oder auch 100 Euro pro Quadratmeter wohl kein Problem. Bereits im Jahre 2012 hatte Google geschätzte 25 Milliarden Gewinne, weitgehend steuerfrei, auf den Bermuda-Inseln geparkt.

Was würde die Eröffnung eines „Google Startup Campus“ für die angrenzenden Bezirke bedeuten?

Bereits in den letzten Jahren haben sich sowohl in Kreuzberg als auch in Neukölln die Mieten sowohl für Wohnraum als auch für Gewerbe massiv erhöht, eine Verdrängung von Menschen mit geringen Einkommen aus ihrem Wohnraum sowie von kleineren Gewerbebetrieben hat bereits umfassend stattgefunden, teilweise auch durch mit brutaler Polizei-Gewalt durchgeführte Zwangsräumungen. Sollte der „Google Campus“ tatsächlich nach Kreuzberg kommen, dürfte sich diese Entwicklung von steigenden Mieten und Verdrängung nochmals deutlich verschärfen.

Erfahrungen mit einem „Google Campus“ gibt es etwa in London. Die Gewerbe-Mieten in der sogenannten „Tech City“ in Ost-London begannen Mitte 2012, also genau zu dem Zeitpunkt als hier der „Google Campus“ eröffnet wurde, massiv zu steigen. Alleine bis Anfang 2015, also in nur zweieinhalb Jahren, kam es zu einer Verdoppelung der Mietpreise.

Ein Zufall scheint das nicht zu sein. Wie in diesem Artikel ausgeführt wird, wurde es ab 2012 auch für grosse, etablierte Unternehmen schick, Flächen in der Nachbarschaft des „Google Campus“ anzumieten. Und für diese milliardenschweren Firmen fallen die hohen Mietpreise natürlich nicht ins Gewicht. Grosse Konzerne und die Immobilien-Eigentümer freuen sich – die Leidtragenden sind alle anderen, die die gestiegenen Preise nicht bezahlen können und verdrängt werden.

Auch in Berlin sind die Mieten für Gewerbemieten so gut wie nicht reguliert, eine breite Verdrängung von eingesessenem Kleingewerbe hat in Berlin-Kreuzberg und Teilen von Neukölln in den letzten Jahren bereits stattgefunden. Sollte der „Google Campus“ nach Berlin-Kreuzberg kommen, dürfte sich diese Entwicklung nochmals dramatisch verschärfen. Ein großer Teil der kleinen Läden, die es jetzt noch gibt, dürften in ein paar Jahren verschwunden sein. Sollte es einzelne Läden wie etwa ein Cafe schaffen, zu überleben, wären sie gezwungen entsprechend der höheren Miete die Preise drastisch zu erhöhen, was dazu führt, dass nur noch reiche Menschen hier sich einen Kaffee leisten könnten.

Was hier für die Gewerbemieten gesagt wird, gilt natürlich auch für die Wohnmieten. Viel zu lange schon findet in Kreuzberg, Neukölln und anderen Innenstadtbezirken eine fast ungebremste Entwicklung von steigenden Mieten und Verdrängung statt. Schon heute gibt es rund um den geplanten „Google“-Standort weder freie Wohnungen für Menschen mit geringen Löhnen oder Hartz 4. Mit den steigenden Mieten kommt die Aufhübschung der Innenstadt, verbunden auch beispielsweise mit vermehrten Schikanen gegen Obdachlose und zunehmender rassistische Polizeigewalt gegen Migrant*innen. Sollte der „Google Startup Campus“ tatsächlich nach Kreuzberg kommen, dürfe sich diese Entwicklung nochmal dramatisch verschärfen.

Was sind unsere Ziele?

Wir hoffen, dass es durch breiten gesellschaftlichen, kreativen und wütenden Widerstand gemeinsam gelingt, den geplanten „Google Campus“ in Kreuzberg zu verhindern. Wir haben auch bereits viele Vorstellungen, wie die für den „Google Campus“ genutzten Flächen sinnvoll genutzt werden kann etwa für ein soziales Zentrum, in dem sich all jene versammeln und organisieren können, die keinen Bock auf das Leben in einer durchkapitalisierten Stadt mit explodierenden Mieten, sinkenden Löhnen und Verdrängung haben: Ein Ort von Selbstorganisierung, Kollektivität und Widerstand also, und nicht wie von Google gewollt ein Ort der kapitalistischen Profitmaximierung.

Auch die Projekte der „Friedel 54“, des vor wenigen Monaten nur wenige 100 Meter entfernt durch brutale Polizeigewalt geräumten Nachbarschaftsladens, könnten hier vielleicht einen neuen Platz finden.

Dem sogenannten „Eigentümer“ des Umspannwerkes in der Ohlauer Straße ist durchaus zuzumuten, die für den „Google Campus“ geplanten Flächen dem zukünftigen sozialen Zentrum umsonst zur Verfügung zu stellen. Reich genug dürfte er sein, und auch wenn wir ihm diese Flächen wegnehmen, dürfte er nicht in Armut und Obdachlosigkeit rutschen – im Unterschied zu den vielen Tausend Menschen in Berlin, die in Armut oder sogar Obdachlosigkeit leben müssen.

( Wem das Umspannwerk denn eigentlich gehört, ist unklar. Soweit wir wissen, wurde es im Jahr 2000 von einer „Berliner Bauentwicklungsgesellschaft WABE, Geschäftsführer Reinhold Wagner“ gekauft, und im Jahr 2015 an das britische Unternehmen „Avignon Capital“ für einen unbekannten „privaten Kunden“ weiterverkauft. Wer hinter der derzeit auf der Homepage im Impressum eingetragenen „Umspannwerk Kreuzberg GmbH“ steckt, ist unbekannt. Aktuelle Geschäftsführer sind laut Homepage Matthias Gleiß und Ilja Wolf-Bauwens. Wolf-Bauwens ist bei diversen Immobilien-Unternehmen beteiligt. Beschauliches Beispiel ist die Pallisaden 41- 46 wo er 150 Wohnungen besaß oder immer noch besitzt wo er für die Schaffung von Ferienwohnungen und für die Mieterhöhung der verbleibenden Wohnungen verantwortlich ist: Feature WDR (, laut Linkedin ist er auch „Senior Vice President & General Counsel“ bei der STRATCOM Offshore Holdings IBC. So ein Offshore Holding ist natürlich schön für die sogenannte „Steueroptimierung“ im Rahmen von Immobiliengeschäften. )

Ansonsten schlagen wir die Enteignung aller profitorientierten Immobilien-Besitzer*innen und -Konzerne (nicht nur) in Kreuzberg und Neukölln vor. Nach der Enteignung sollen sowohl der Wohnraum als auch die Gewerbeflächen kostendeckend und selbstverwaltet organisiert werden. Wir wollen ein Leben ohne Angst für alle – ohne Angst vor Mieterhöhung und Verdrängung, ohne Angst vor Arbeitslosigkeit und Verarmung, und ohne Angst vor rassistischen, sexistischen, homophoben und all den anderen doofen Diskriminierungen.