Redebeitrag der Kampagne „Make Amazon pay“

„Bei Google und Amazon kreuzen sich zentrale Tendenzen des gegenwärtigen Kapitalismus, aber auch des Widerstands gegen sie“

Liebe Kreuzberger*innen,

wir von der Kampagne „Make Amazon pay“ sind gebeten worden, ein paar Worte über unsere Kampgane, die Kämpfe bei Amazon und euren Kampf an euch zu richten. Damit ihr uns einornden könnt, wagen wir einen Rückblick auf die erste Aktion der Kampagne am vergangegen „Black Friday“.

Eigentlich war der „Black Friday“ in Deutschland, der 24. November 2017 kein besonderes Datum. Größere Bedeutung hat der Tag in den USA. Da Thanksgiving, der vierte Donnerstag im November, ein gesetzlicher Feiertag ist, nutzen viele Amerikaner*innen den folgenden Freitag als Brückentag und erledigen erste Weihnachtseinkäufe. So liefern sich Einzelhändler in den USA regelrechte Rabattschlachten am sogenannten Black Friday. Der Name Black Friday soll aussagen, dass ab diesem Tag, aufgrund der großen Umsätze, der Einzelhandel „schwarze Zahlen“ schreibt, also bis zum Ende des Jahres und vor allem durchs Weihnachtsgeschäft Gewinne erwirtschaftet. Mit zunehmender Bedeutung des Onlinehandels spielt auch der Black Friday im Internet eine wachsende Rolle. Auch in Deutschland bewarb Amazon den Black Friday als Shopping Event, um seine Millarden-Umsätze an diesem Tag nicht nur in den USA, sondern weltweit einzufahren.

An diesem Tag schaut die Öffentlichkeit also wie ein hypnotisiertes Kanninchen auf die Verkaufszahlen bei Amazon und gleichzeitig laufen die Amazon-Lager auf Hochtouren. Also der beste Zeitpunkt, um mit Blockaden an den Amazon-Lagern Sand ins Getriebe des weltgrößten Onlineversandhanelds zu streuen.
Aber warum blockieren linke Aktivisten die Amazon-Maschienerie?

Gemeinsam mit Google, Facebook, Apple und Microsoft gehört Amazon zu den „Big Five“, die heute das Internet beherrschen. Zugliech kämpfen seit viereinhalb Jahren Amazon-Beschäftigte in den Versandzentren des größten Onlinehändlers der Welt für Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen. Dabei ist der Ausgang der Auseinandersetzungen nach wie vor völlig ungewiss. Das liegt daran, dass es sich in erster Linie nicht um einen Lohnkonflikt handelt. Der Weltmarktführer des Onlinehandels weigert sich prinzipiell, mit Gewerkschaften zu verhandeln oder gar Tarifverträge abzuschließen. Dabei gehen die Kämpfe um Arbeitnehmerrechte bei Amazon inzwischen alle an!. Denn mehr noch als die anderen der BIG FIve versucht das Unternehmen aus Seattle, die Arbeitsbedingungen im digitalen Kapitalismus neu zu definieren.

Amazons Unternehmensphilosophie gefährdet permanent die Gesundheit seiner Beschäftigten. In Amazons Fullfillmentcentern (FCs) erleben die Beschäftigten einen hohen Druck, immer mehr in kürzerer Zeit zu schaffen, permanente Leistungskontrollen sowie eine Maschinerie der Überwachung. Amazon ist somit der Vorreiter einer »digitalen Taylorisierung«, das heißt von lückenloser Kontrolle und maschineller Menschensteuerung seiner Beschäftigten. Die digitale Maschinerie Amazons gibt Tempo und Ablauf aller Arbeitsschritte in den Lagern vor und übernimmt damit die „Steuerung“ der Beschäftigten. Der Mensch bei Amazon verschwindet, der Beschäftigte wird zum Anhängsel eines Software-Algorithmus reduziert.
Aber nicht nur die ArbeiterInnen werden den Profitinteressen Amazons zugeführt.

Denn der gläßernde Kunde, ist genauso zentrale Bestandteil der Unternehmensstrategie von Amazon, ebenso wie von Google. Amazons und Googles Unternehmensstrategie zielt darauf, Konkurrent_innen zu übertrumpfen und oder aufzukaufen, um so eine Monopolstellung zu erlangen bzw. zu verteidigen. Dabei dienen die Kunden doppelt: mit ihrem Geld und mit ihren Daten. Gerade diese sind elementar für Tech-Unternehmen wie Amazon, Google. Sie sind das Rohöl, mit dem sie ihre Vormachtstellung sichern. Wer die meisten Daten hat, weiß nicht nur vieles über seine Kunden, dass diese früher nicht preisgegeben hätten, sondern kann auch vorhersagen, wo Bedürfnisse entstehen – und diese entsprechend steuern. Die digitalen „Sprachassistenten“ von Amazon oder Google stellen dabei die nächste Etappe des digitalen Plattform-Kapitalismus dar: Nach der großen Datensammlung im Internet und Sozialen Netzwerken (Big Data) sollen nun die Kund_innen in zunehmend geschlossenen Systemen wie dem digitalen Überwachungssystem „Amazon Echo“ oder „Google Home“ an das Unternehmen gebunden. In der Vorstellung der Tech-Firmen sind wir unaufhörlich und unauflöslich mit ihren Netzen verbunden. Es soll kein Leben außerhalb des jeweils eigenen Netzes geben. Die „freiwillige“ permanente Überwachung unseres Lebens durch Google undAmazon wird mit seinem Raumlautsprecher und dem „Sprachassistenten“ gerade Realität.

Bei Google und Amazon kreuzen sich zentrale Tendenzen des gegenwärtigen Kapitalismus, aber auch des Widerstands gegen sie. Amazons und Googles Zukunftsvisionen beeinflussen bereits jetzt unser gesamtes Leben. Ähnlich wie der Fordismus nicht nur die Arbeit am Fließband in Einzelprozesse zerhackt und unter den Gesichtspunkten, der Optimierung neu zusammengesetzt hat, findet mit dem „digitalen Taylorismus“ wieder eine Arbeitsreorganisation mit Auswirkungen auf die Produktion und Zirkulation bis hin zu einer menschenfeindlichen Neugestaltung von Lebensweisen und des Konsum- und Freizeitverhaltens statt. Amazon und Google wollen unsere Arbeitsnormen und Lebensgewohnheiten in Gänze umstrukturieren: Der Mensch als umfänglich verwert- Ressource: Kund*in, Arbeitnehmer*in und Datenspender*in. Die die Gentrifizierung Kreuzbergs durch den Google Campus passt sich in dieses Programm der Tech-Firmen ein. In der Vision einer „Smart City“ träumen Google, Orakle von Bewohnern als permanenten Datenspendern. Doch gleichzeitig mit der Transformierung der Bürger in Google-Bewohner werden mit der Schaffung von Googles digitalen Privatstädten, die Nutzung öffentlicher Güter und Dienste vom guten Willen eines Konzerns nach und nach abhängig werden. Stadtpolitischen Themen wie: Obdachlosigkeit, Gentrifizierung, Ungleichheit, spielen in Amazons oder Google Visionen keine Rolle, wer nicht zahlen kann wird ausgesondert werden.

Was bei aller vermeintlicher Philantropie von Amazon oder Googels Geschäftsmodellen der Zukunft gilt, galt schon immer für den Kapitalismus. Die Lebensinteressen der einfachen Menschen sind nicht das Ziel des Wirtschaftens, nicht der Zweck der ganzen Unternehmungen. Es geht schlicht und einfach, um Profit und mehr Profit!

Schon heute beginnen sich die Linien der Widerstände, gegen den „digitalen Kapitalismus“, zu kreuzen. Hacker-Grupppen, die die Netze der Big Five angreifen, Stadtteilgruppen, die die Verdrängung aus ihren Wohnquartieren für Luxusbauten der Tech-Firmen und ihrer Führungsmannschaften nicht hinnehmen, Arbeiterinnen und Arbeiter, die für kollektive Interessenvertretungen streiken, alle eint, dass sie ein Wörtchen bei der Ausgestaltung unsere Zukunft mitreden wollen. Sie alle eint, dass sie eben nicht nur Kundinnen, Datenspenderinnen, vermessbare und verwertbare Arbeitsnomaden der Big Five sein wollen. Autonomie über das eigene Leben, statt Reduktion auf einen bloßen Objektstatus, auf diesen Nenner können die Linien der Widerstände gebracht werden

Und der nächste Termin steht schon, wo unsere Widerstände ein sichtbares Zeichen einer anderen Zukunft sein können. Am 24. April 2018 veranstaltet der Axel-Springer-Verlag in Berlin-Kreuzberg eine Sause der besonderen Art. Zu Gast ist der mittlerweile reichste Mann der Welt, Jeff Bezos, Eigentümer des international agierenden Onlinehandelskonzern Amazon, der an diesem Tag den Springer-Preis für sein „visionäres Geschäftsmodell“ erhalten wird. Die Party im Springer Hochhaus ist eine rechtfertigende Inszenierung für die Zurichtungen des digitalen Kapitalismus im allegemeinen und Amazons Ausbeutungs- und Überwachungsstrategien im Besonderen. Lasst uns daher diese Show nicht ohne Widerspruch über die Bühne gehen, bereiten wir Jeff Bezos und der Springer Presse eine antikapitalistische Überraschung der besondern Art!.

24. April 2018
Award Crashers United!
Der Preisverleihung an Jeff Bezos und Amazon Zukunftsvision entgegentreten!

Redebeitag von DeliverUnion

Redebeitrag von der DeliverUnion-AG für den Kiezspaziergang von googlecampusverhindern

Die DeliverUnion sind Arbeiter*innen von den Fahrrad-Essenslieferdiensten Foodora und Deliveroo, die sich seit etwa einem Jahr in der FAU Berlin gegen die Arbeitsbedingungen in beiden Unternehmen organisieren.

Deliveroo ist ein StartUp mit Hauptsitz in London, das inzwischen Fahrer*innen in dutzenden Städten auf der ganzen Welt beschäftigt. Wobei eigentlich alles, was Deliveroo bereitstellt, eine App und eine Internetseite ist. Die Fahrer*innen hier sind inzwischen fast ausschließlich als „Freelancer“ beschäftigt. Das bedeutet: Sie müssen nicht nur das Fahrrad, das Handy und die komplette Ausrüstung stellen, die man für diesen Job braucht (Rucksack, Kleidung, etc.). Sie bekommen auch kein Kranken- oder Urlaubsgeld von Deliveroo, keine Unfallversicherung, und keinen festen Stundenlohn. Jede abgeschlossene Lieferung bringt 5€ – darüber hinaus gibt es nichts.

Verkauft wird das Ganze in geschliffenem StartUp-Sprech: Als Flexibilität, Freiheit, Selbstständigkeit. Wer sich anstrengt, schnell ist, viel „Leistung“ bringt, so die Marketing-Geschichte, die verdient auch viel Geld.

Das ist natürlich gleich doppelt und dreifach Quatsch. Einmal wird durch die Bezahlung pro Lieferung beinahe das gesamte Unternehmensrisiko auf die Arbeiter*innen verlagert: Wenn es gerade wenig Bestellungen gibt und Fahrer*innen stundenlang auf der Straße stehen und warten, kostet das Deliveroo gar nichts – die Fahrerin aber eventuell ihre Miete. Da kann sie so „leistungsbereit“ sein, wie sie will.

Aber auch mit der Freiheit und der Flexibilität ist es nicht weit her. Nicht nur Google hat inzwischen entdeckt, dass Daten ein ausgesprochen effektives Kontrollmittel abgeben. Während wir arbeiten, vermittelt die App durchgehend Daten an Deliveroo. Jede Minute, die wir uns zu spät einloggen, wird registriert – ob sie nun unser eigenes Verschulden ist, oder ein technischer Fehler, erkennt die App nicht. Auch unsere Geschwindigkeit wird konstant überwacht – nicht nur beim Fahren, sondern auch beim Treppensteigen, beim Essen abholen und ausliefern. Und wenn vermeintlich Selbstständige Deliveroo Arbeiter*innen eine Bestellung ablehnen, oder eine Schicht kurzfristig absagen, schlägt sich auch das in ihren Statistiken nieder – und wird sanktioniert, indem sie nur noch die Schichten abbekommen, die ihre folgsameren Kolleg*innen nicht fahren wollen.

Kurz gesagt hat Deliveroo, ähnlich wie zum Beispiel Uber, sich darauf spezialisiert, seine Arbeiter*innen wie Selbstständige zu bezahlen, aber wie Angestellte zu kontrollieren. Das wollen wir uns nicht länger gefallen lassen! In Brighton, Barcelona, Milan, HongKong oder Berlin – überall organisieren sich die Arbeiter*innen von Deliveroo und Foodora und kämpfen gegen diese hübsch verpackte Ausbeutung.

Aber auch über die miserablen Arbeitsbedingungen hinaus fügt sich das Geschäftsmodell von Deliveroo perfekt in die Umgestaltung einzelner Bezirke oder ganzer Städte im Sinne des Kapitals ein.

Viele der Kund*innen, die wir für Deliveroo beliefern, sind andere StartUps. Da brauchen die Menschen, die dort arbeiten, dann gar keine Mittagspause mehr. Und ein gutes Image gibt es noch dazu: denn trotz der großzügigen Plastik- und Styroporverpackungen des gelieferten Essens schmücken sich die Unternehmen mit ihrer Umweltfreundlichkeit; schließlich sitzen wir ja auf dem Fahrrad.

Auch sonst muss man sich das Essen, das wir liefern, erst einmal leisten können. Weil die Restaurants ca. 30% Ihres Umsatzes an Deliveroo abgeben müssen, lohnt sich die Kooperation nur dann, wenn das Essen entsprechend teuer ist – oder für große Restaurantketten. Wir selbst jedenfalls können uns das Essen, das wir liefern in der Regel nicht leisten – genauso wenig wie die meisten Wohnungen, in die wir es liefern.

Wenn sich Unternehmen wie Google oder Deliveroo irgendwo ansiedeln, dann heißt es immer, sie würden die Bezirke „aufwerten“. Tatsächlich bringen sie steigende Mieten, steigende Lebenshaltungskosten und einige, gut bezahlte Jobs für einige, wenige Menschen. Hauptsächlich aber schaffen sie Arbeits- und Lebensbedingungen, in denen sie an möglichst vielen Stellen in den Produktions- und Reproduktionsketten Profite abgreifen können. Und sie schaffen Jobs wie unsere – Jobs für Menschen, die in diesen „aufgewerteten“ Bezirken zwar noch arbeiten dürfen, aber nicht mehr wohnen, leben, oder essen können.

Das sollten wir nicht einfach so hinnehmen! Wir wollen keine hippen Bosse, wir wollen faire Arbeitsbedingungen. Wir wollen keine CoWorkingSpaces, wir wollen Wohnraum für alle. Wir wollen nicht die StartUp-Version von Freiheit und Selbstständigkeit – wir wollen tatsächlich frei und selbstbestimmt arbeiten und leben. Und dafür brauchen wir alles mögliche, aber sicher keinen GoogleCampus.

Redebeitrag zum FullNodeHub im Postgebäude

Im September 2017 erklärte der Wirtschaftssenat in einer
Pressemitteilung, dass Berlin mit der Eröffnung zweier sogenannter Hubs
seinem Ziel, zum europäischen Silicon Valley zu werden, näher gekommen
wäre. Sinn und Zweck dieser Hubs ist es, Austauschplattformen in real
life zu sein, in denen sich Start-Ups, Wissenschaft, Mittelstand und
Großunternehmen vernetzen und dadurch innovativ tätig werden können. Der
erste Hub-Standort befindet sich in der Hardenbergstraße im ehemaligen
Hauptsitz der Berliner Bank und beherbergt den FinTech-Hub, um
Kompetenzen auf dem Finanztechnologie-Markt zu entwickeln. Der zweite
Standort ist am anderen Ende des Görli in der früheren Agfa-Fabrik.
Unter der Ägide der Factory sollen hier die neuesten Erkenntnisse aus
der Wissenschaft des Internets der Dinge erst in Warenform, dann zur
marktreife gebracht werden.
Ein dritter, bislang nicht von den Weihen der Silicon-Valley-Senatorin
Ramona Pop bedachter Hub entsteht hier im roten Backsteingebäude der
Skalitzer Straße 85. Mit Full Node soll Europas größter Blockchain-Hub
entstehen.
Was hat das zu bedeuten? Nichts gutes! Wieso? Zunächst einmal, weil sich
hinter dem gehypten Begriff Blockchain mehr verbirgt als die
Cryptowährung Bitcoin. Eine Blockchain ist zunächst nicht mehr als eine
Reihe von Datensätzen, die mit kryptographischen Verfahren miteinander
verkettet sind und beliebig erweiterbar ist. Dadurch können Blockchains
zur digitalen Buchführung eingesetzt werden, wie es eben am Beispiel
Bitcoin getan wird.
Wozu Blockchains noch eingesetzt werden können, damit wirbt das Start-Up
Gnosis. Gegründet vom jetzigen Chief Executive Offizier Martin
Köppelmann und dem jetzigen jetzigen Chef-Ingenieur Stefan George ist es
das Ziel des Start-ups, eine revolutionäre, marktbasierte
Vorhersagetechnolgie zu entwickeln, die unser aller Zukunft verändern
soll. Unter den sogenannten Prediction Markets sind aber keine Märkte im
herkömmlichen Sinn zu verstehen, auf denen Waren von der einen zum
anderen mittels Geld wandern. Die Prognosemärkte sind Märkte, auf denen
Informationen gesammelt werden, um das zu erwartende Ergebnis eines
zukünftigen Ereignisses bestimmen zu können. Wenn diese Informationen in
eine Blockchain gesammelt und miteinander verbunden werden, eröffnen
sich ganz neue Möglichkeiten des Blicks in die digitale Kristallkugel.
Dass damit Auktionsergebnisse oder Schwankungen auf dem Finanzmarkt
vorhergesagt werden sollen, ist noch das harmloseste Beispiel. Gnosis
träumt auch davon die Technik im Bereich der Governance einzusetzen,
also in der kybernetischen Steuerung und Regelung von Regierungs-, Amts-
und Unternehmungsführung. Damit immer noch nicht genug und das
eigentlich revolutionäre in den Augen von Gnosis ist, dass unser
zukünftiges Zusammenleben mit Hilfe von Blockchaintechnologie und
sogenannten Smart Contracts geregelt werden soll. Das können alle Formen
von Verträgen sein, vom Kaufvertrag bis zum Gesellschaftsvertrag. Das
angeblich „smarte“ an diesen Verträgen ist, dass sie Computerprotokolle
sind, die die Einhaltung dieser Verträge überwachen und Verstöße dagegen
sanktionieren können.
Kurz gesagt: Gnosis träumt davon eine Technologie zu entwickeln, in der
die Zukunft vorhersagbar ist und in der für die Einhaltung der Regeln
des Zusammenlebens von Computern gesorgt wird. Gnosis träumt den Traum
kybernetischer Überwachung und Kontrolle.
Um diesen Traum in die Tat umzusetzen, hat Gnosis die Idee des
Blockchain-Hubs Full Node entwickelt, der hier in der Skalitzer Straße
im April eröffnen soll. Sinn und Zweck von Full Node ist es, die
Koryphäen der Blockchain-Community an einem Ort zu versammeln, um die
kreativen Kräfte zu Bündeln, alle Möglichkeiten, die die
Blockchaintechnologie zu bieten hat, auszuloten und letztlich dem Ziel
der Verwirklichung ihres Traums einen Schritt näher zu kommen.
Um die Entscheidung, teil des Hubs zu werden, besonders schmackhaft zu
machen, wirbt Full Node mit seiner ausgezeichneten Lage im lebendigen
Kreuzberg mit seinen Bars, Clubs und Restaurants. Besonders betont wird
die Nähe zum Room 77 in der Gräfestraße 77, dem ersten Laden weltweit,
in dem mit Bitcoin bezahlt werden kann und in dem sich der Berliner
Bitcoin Stammtisch trifft. Außerdem seien in Berlin die
Lebenshaltungskosten niedriger und Büroräume billiger als in London, was
vorher als europäische Blockchain-Zentrale gehandelt wurde.
Wie lange aber Kreuzberg noch so lebendig bleibt und wie lange Büro- und
auch Wohnraum so vergleichsweise billig bleiben, wenn zahlungskräftige
Start-Up-Gründer auf den Wohnungsmarkt drängen, dürfte klar sein. Vor
allem, wenn sich sowohl Wohnung als auch Büro im hippen Kreuzberg
befinden sollen. Neben kybernetischer Überwachung und Kontrolle wird wie
mit der geplanten Eröffnung des Google Campus mit der Eröffnung des
Blockchain-Hubs Full Node der Gentrifizierungsmotor in Kreuzberg und
Berlin insgesamt einen Gang höher geschaltet.
Dass in der Skalitzer Straße 85 überhaupt Büroräume für die Technokraten
der Zukunft zur Verfügung stehen, liegt daran, dass einer der
Samwer-Brüder das Gebäude gekauft hat und an Start-Ups vermietet. Die
Samwer-Brüder sind Bekannt als Besitzer der Start-Up-Schmiede Rocket
Internet, deren bekanntestes Produkt Zalando ist. Zalando macht sich
derzeit in Friedrichshain-Kreuzberg breit.
Allerdings sorgte der Kauf und die Vermietung des Backsteingebäudes in
der Skalitzer Straße durch Samwer in letzter Zeit für
Negativschlagzeilen. Bereits im Gebäude ansässigen Start-Ups beschweren
sich über den Lärm des sich dort ebenfalls schon lange befindlichen
Clubs. In den Berichten heißt es weiter, dass neben den Klagen wegen
Lärmbelästigung der Club mit Mietsteigerungen ums doppelte und typischen
Verdrängungsmethoden wie kaputter und nicht reparierter Heizung zu
kämpfen habe.
Wie für den Club in der Skalitzer Straße 85 wird sich auch die Situation
für die Menschen, die in Kreuzberg leben und sich nicht der neuen
technokratischen Start-Up-Ideologie anpassen wollen, nicht verbessern,
wenn sich neben Zalando auch noch Unternehmen wie Google und Gnosis mit
ihrem Blockchain-Hub Full Node hier weiter breit machen und die nächste
Welle der Gentrifizierung auslösen. Deshalb:
Zalando – Fuck off!
Google – Fuck off!
Gnosis und Full Node – Fuck off!
Im April diesen Jahres soll Full Node eröffnet werden. Später im Jahr
der Google Campus in der Ohlauerstraße! Wir werden ihnen klar machen,
dass wir weder ihre Welt, ihre Technik, noch ihr Geld wollen. Sondern
wir wollen nichts von ihren technokratischen Träumen hören. Wir wollen
ihre Träume zerstören.

Kiezspaziergang 3.3.2018 at 3 pm, Schlesisches Tor

take a look under stuff to find the layouted flyer… and spread the word

[german version below / deutsche Version unten]

Demonstration: Fight Google Campus & Co

This year in spring or summer, Google plans to open its „Berlin Campus“ in the premises of the former Umspannwerk on Ohlauerstraße / Paul-Linke-Ufer. According to Google, this campus will be a place for start-ups to network and exchange. Google’s basic idea for establishing the Campus is to be the first one to spot those concepts that are promising to be the most profitable ones and to win the attracted founders for their company on the long run.

There already exist six other “Google Startup Campus”, e.g. in Sao Paulo and in Seoul. The neighborhoods close to them soon experienced their impacts. In London for example commercial rents doubled within the first two years. (mehr…)

Noise Against Google, 02.03.3018 at 6pm

Lärm gegen Google,02.03.2018 18Uhr, vorm Umspannwerk (Ohlauerstr / Paul-Linke-Ufer)

Bring pots and pans and other percussive instruments (jugs for bass?), and
anything that sounds *loud*! Also feel free to bring flyers, posters, banners, etc.

…wie jeden 1. Freitag im Monat
…like every 1. friday of the month

Klare Ansage auf der Straße: Fight Google!

Offenbar haben Anwohner*innen durch einen großflächig auf die Straße vor dem Umspannwerk gemalten Schriftzug deutlich gemacht, was viele in den angrenzenden Kiezen vorhaben: FIGHT GOOGLE!

fight_google_umspannwerk

Einen kleinen Text dazu findet ihr auf Indymedia:
(mehr…)

Aushang Baustelle Umspannwerk

Umbauzeit ist zumindest laut diesem Aushang 08.2017 bis 08.2018 !!!
Und die interessierte Nachbarschaft darf erfahren, wer mit Google zusammenarbeitet: Projektsteuerung, Bauüberwachung, Architekturbüro und die Rohbaufirma sind dort gelistet.